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Mangelernährung vorbeugen und behandeln 1

 

In Folge der Krebserkrankung oder der Behandlung können Sie an Gewicht verlieren und Mangelerscheinungen können sich einstellen. Häufig bringt die Krankheit auch Appetitlosigkeit mit sich. Dadurch wird der Körper geschwächt. Nach Meinung der Experten soll daher Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen bereits vor der Operation darauf achten, dass Sie ausreichend ernährt sind und möglichst nicht weiter abnehmen.

Eine schwere Mangelernährung liegt vor, wenn Sie beispielsweise in den letzten sechs Monaten viel Gewicht verloren haben (mehr als 10% Ihres Körpergewichts) oder wenn Sie untergewichtig sind. (Body-Mass-Index = BMI unter 18,5 kg/m2) Dann sollten Sie noch vor der Operation eine Ernährungstherapie erhalten, selbst wenn der Eingriff sich dadurch zeitlich nach hinten verschiebt. Hochwertige Studien zeigen, dass sich dadurch der Körper wieder etwas erholt und weniger Komplikationen nach der Operation auftreten: Bei etwa 50% der operierten Patienten mit Mangelernährung ohne vorherige Ernährungstherapie traten nach der Operation Komplikationen auf, mit Ernährungstherapie waren es mit etwa 25% nur halb so viele.

 

Auch nach der Operation empfiehlt es sich, aufgrund der geringen Nahrungsaufnahme verstärkt auf eine Mangelernährung zu achten: Gewichtskontrollen, ausgewogene Ernährung, ausreichend Kalorien und Nahrungsaufnahme in vielen kleinen Portionen sind wichtig. Für ausführliche Informationen verweist die ärztliche Leitlinie auf die S3-Leitlinie "Klinische Ernährung in der Onkologie": www.awmf.org .

 

Mangelernährung kann den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität verschlechtern. Aus diesem Grund sind die Experten der Meinung, dass Sie während Ihrer gesamten Behandlung immer auch ernährungsmedizinisch betreut werden sollten. Hierzu gehört, Ihr Gewicht und Ihren Ernährungszustand regelmäßig zu überprüfen sowie eine Ernährungsberatung und gegebenenfalls die Behandlung von Mangelerscheinungen.

 

Wenn Sie über die natürliche Ernährung nicht genug Kalorien aufnehmen können, bestehen laut Expertenmeinung folgende Möglichkeiten: Die Nahrungsaufnahme kann mit sehr kalorienhaltigen Trinklösungen unterstützt werden. So können Sie bei relativ geringer Zufuhrmenge leicht viele Kalorien aufnehmen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Trinklösungen verordnungsfähig, das heißt: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Des Weiteren können Nahrungskonzentrate über eine Sonde direkt in den Darm gegeben werden. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird ein dünner Schlauch (Sonde) entweder durch die Nase oder direkt durch die Bauchdecke in den Dünndarm gelegt. Da Nasensonden häufiger verrutschen, ist die Bauchdeckensonde bei länger andauerndem Einsatz günstiger.

 

Wenn nötig, können Sie ergänzende Ernährung über eine Bauchdeckensonde über mehrere Monate erhalten. Dies ist auch zu Hause möglich. Es können beispielsweise jede Nacht 500 bis 1000 Kilokalorien zugeführt werden. Ein weiterer Gewichtsverlust lässt sich häufig trotzdem nicht vermeiden, kann so aber doch zumindest abgefedert werden.

 

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Barbara Kade; aktives Mitglied der SHG-S Auszug aus der Patientenleitlinie "Krebs der Speiseröhre"; Herausgeber: AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.; Deutsche Krebsgesellschaft e.V.; Stiftung Deutsche Krebshilfe; Berlin; 2016