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Dumpingsyndrom: 1

 

Nach der Operation kann ein sogenanntes Dumpingsyndrom auftreten: Der Speisebrei gelangt dann zu schnell in den Dünndarm. Das betrifft jedoch in erster Linie die gastrektomierten Patienten (ganz ohne Magen)

Dabei kommt es während oder unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme zu unangenehmem Völlegefühl, spontanem Durchfall, verbunden mit teilweise heftigen Schmerzen, Schweißausbrüchen und Zittern kommen. Hier spricht man vom Frühdumpingsyndrom. Wenn Sie diese Beschwerden verspüren, sollten Sie sich sofort hinlegen. Achten Sie darauf, dass der Oberkörper dabei hochgelagert ist.

Sie können Frühdumping entgegenwirken, indem Sie Folgendes beachten: langsam essen und gründlich kauen, regelmäßig kleine Mahlzeiten häufig am Tag essen, zum Essen nicht trinken (mindestens 30 Minuten vor oder nach den Mahlzeiten nichts trinken) und auf flüssige Speisen wie zum Beispiel Suppen verzichten.

Treten Beschwerden wie Schweißausbrüche, Müdigkeit, Schwindel, Heißhunger und Zittern etwa ein bis drei Stunden nach einer Mahlzeit auf, spricht man vom Spätdumpingsyndrom. Auch dagegen können Sie etwas tun: essen Sie kleine Portionen, meiden Sie zuckerhaltige Lebensmittel und reine Weißmehlprodukte. Wenn Sie Beschwerden verspüren, nehmen Sie ein Stück Traubenzucker zu sich.

Mischformen von Früh- und Spätdumping sind ebenfalls möglich.

 

Nebenwirkungen und Laborwerte: 2

 

Durch die Operation der Speiseröhre erhalten die Patienten zur Reduzierung der Magensäure in der Regel eine lebenslange medikamentöse Therapie in Form von sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI) wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantozol und Rabeprazol.

Diese Substanzen hemmen die Belegzellen im Magen, die wiederum für die Produktion von Magensäure und des intrinsischen Faktors zuständig sind. Der intrinsische Faktor ist ein Molekül, dass wiederum für den Transport von Vitamin B12 zuständig ist. Zu wenig Magensäure stört u.a. die Aufnahme von Calcium und Magnesium.

Eine mögliche Folge der Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern ist laut Fachinformationen der PPI die Entstehung eines erhöhten Frakturrisikos unter anderem der Hüfte und der Wirbelkörper. Daher sollte in der hausärztlichen oder orthopädischen Sprechstunde auch das Thema Osteoporose angesprochen werden. Dazu kann auch die Sicherstellung ausreichender Vitamin D und Kalziumspiegel gehören. Beide Werte sind über die Blutentnahme messbar. Das Vitamin D wird in der Regel über die Haut gebildet, allerdings kann durch Hautalterung nur noch sehr eingeschränkt Vitamin D gebildet werden. Hier besteht die Möglichkeit einer oralen Gabe von Vitamin D Präparaten.

Desweiteren gibt es die Möglichkeit der Knochendichtemessung. Sollte nach erfolgter Messung eine Osteoporose diagnostiziert werden, kommt eine weiterführende Labordiagnostik (z.B. Parathormon im Blut; Desoxypyridinolin im Urin) und (je nach Verfügbarkeit) eine weitere bildgebende Diagnostik mit anschließender auf die Ergebnisse ausgerichtete medikamentöse Therapie plus ggf. Einnahme von Kalzium und Vitamin D3 hinzu.

Ein nicht zu unterschätzender Beitrag kann von den Patienten selbst geleistet werden in Form von viel Bewegung und konsequentem Training von Rücken- und Bauchmuskulatur, Zwerchfell und Beckenboden.

Die regelmäßige Verabreichung von Vitamin B12 betrifft hauptsächlich Patienten ohne Magen. Eine Kontrolle des Vitamin B12 Wertes im Blut bei Patienten mit operierter Speiseröhre sollte dennoch zum Spektrum der zu ermittelnden Laborwerte gehören, da in den Fachinformationen der PPI auch aufgeführt ist, dass säurehemmende Arzneimittel die Aufnahme (Absorption) von Vitamin B12 aufgrund verminderter oder fehlender Magensäure (Hypochlorhydrie; Achlorhydrie) verrringern können.

Ebenfalls wichtig sind ausreichende Magnesiumspiegel. Auch hier ist in den Fachinformationen zu lesen, dass bei der Langzeiteinnahme von PPI von niedrigen Magnesiumspiegeln (Hypomagnesiämie) bei Patienten berichtet wurde. Ein Magnesiummangel kann bekanntlich zu Muskelkrämpfen, aber auch zu Erschöpfungszuständen, Schwindel, Herzrasen, Durchfall und anderen Symptomen führen.

Nicht zuletzt sei auch auf die Bestimmung folgender Laborparameter hingewiesen, bei denen zumindest teilweise eine Verbindung mit verminderter Magensäure besteht:

Eisen, Ferritin, Transferrin, Folsäure, Zink

 

 

Reflux in der Nacht

 

Eine nächtliche erhöhte Liegeposition des Oberkörpers ist dringend anzuraten, um einen eventuell plötzlich auftretenden, äußerst unangenehmen Rückfluss von Magensäure in der Nacht zu verhindern. Dieser Reflux ist möglich durch die Umgestaltung des Magens während der OP und dem anschließend nicht mehr vorhandenen Schließmuskel (Ösophagussphinkter) zwischen Magen und Speiseröhre. Ein Reflux kann auftreten, wenn man zu spät gegessen hat und/oder die Liegeposition des Körpers zu flach war. Der Lattenrost bzw. die Matratze muss daher im oberen Bereich um ca. 30 Grad angewinkelt werden. Sehr hilfreich kann dabei ein verstellbarer Lattenrost sein und ein Wechsel des kürzeren Kopfteils gegen das längere Fußteil, um einen fließenderen Übergang am Oberkörper zu erzielen. Mit etwas handwerklichem Geschick lässt sich auch ein vorhandener Lattenrost umbauen.

Im Urlaub haben die Erfahrungen gezeigt, dass die Betten in den Hotels/Ferienwohnungen usw. in den seltensten Fällen verstellbare Lattenroste besitzen. Hier bietet sich die Anschaffung eines aufblasbaren Keilkissens an, welches platzsparend im Koffer verstaut werden kann.

Falls es doch einmal zu einem unangenehmen Reflux von Magensäure in der Nacht kommt, empfiehlt es sich, erst einmal etwas zu trinken und im Anschluss die sofortige Einnahme eines sogenannten Antazidums (z.B. Maaloxan, Riopan) in Form von Suspensionen oder Kautabletten, um die überschüssige Magensäure zu neutralisieren durch Erhöhung des pH-Wertes. Das Brennen verliert anschließend an Intensität.

 

 

Weitere Verdauungsbeschwerden:

 

Bei zahlreichen Patienten kommt es relativ zeitnah nach dem Essen regelmäßig oder auch unregelmäßig zu einer Übelkeit. Dieses Symptom kann sich durch die Einnahme von pflanzlichen Präparaten (Tropfen) gegen Übelkeit und Erbrechen recht kurzfristig beheben lassen. Ferner kann man ausprobieren, durch das Kauen von Fenchelsamen die Übelkeit zu mindern.

 

Nach der Operation können sich hellbraune, lehmige und übel riechende Fettstühle einstellen. Wichtiger als die Charakteristik dieser Fettstühle ist allerdings die Gefahr, dass es mittelfristig zu einer allmählichen Gewichtsabnahme kommt, weil insbesondere die Fette nach der Mahlzeit durch fehlende Enzyme nicht oder nicht ausreichend verwertet werden können. Das ist natürlich auch für diejenigen Patienten von Bedeutung, die durch die Erkrankung/OP sowieso schon an Gewicht verloren haben. Als weiterer wichtiger Punkt kommt hinzu, dass mit dem Verlust der Fette auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K verloren gehen. Die Bedeutung von Vitamin D ist auf dieser Seite im Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel schon erwähnt worden.

Bei Fettstühlen kommt die Einnahme von Verdauungsenzymen (Amylase; Protease; Lipase; z.B. Kreon, Ozym, Pangrol, Pankreatan, Panzytrat) zur Spaltung der Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette als Therapieoption zum Tragen. Je nach Art und Menge der Mahlzeit wird eine bestimmte Anzahl von Kapseln bzw. Einheiten mit dem Essen eingenommen. Dabei wird die Kapsel bei den Patienten mit einem Schlauchmagen nicht geöffnet, sondern zusammen mit den darin enthaltenen Pellets eingenommen ! Bei gastrektomierten Patienten wiederum wird das aus der Kapsel entnommene Granulat mit der Speise zusammen eingenommen. Dabei ist der Kontakt mit dem Zahnfleisch unbedingt zu vermeiden !

Eine Standardtherapie bzw. Dauertherapie mit Verdauungsenzymen speziell nach der Entfernung der Speiseröhre lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Näheres dazu kann auch Herr Dr. P. Plum sehr kompetent in ausführlicher Form beitragen.

 

Durchfall tritt ebenfalls häufiger auf. Hier berichten zahlreiche Patienten von einer raschen Besserung durch die Einnahme von Siliciumdioxid oder Arzneihefe. Betroffene berichten auch darüber, dass Durchfälle durch die regelmäßige Einnahme von Verdauungsenzymen nur noch selten vorkommen.

 

Bei einer gewissen Anzahl von Patienten kommt es nach der Operation zu einer Magenentleerungsstörung mit Völlegefühl, Erbrechen, aber auch einer Lungenentzündung durch eine Verengung am Magenpförtner (Pylorospasmus). Der Pförtner liegt am Übergang vom Magen zum Zwölffingerdarm.

 

In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, endoskopisch mit Hilfe eines Ballons eine Erweiterung des Magenpförtners (Ballondilatation) zu erzielen. Diese Methode, bei der ein einmaliger Eingriff häufig ausreicht, ist recht effektiv und komplikationslos.

 

 

 

 

 

 

 

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Barbara Kade; aktives Mitglied der SHG-S Auszug aus der Patientenleitlinie "Krebs der Speiseröhre"; Herausgeber: AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.; Deutsche Krebsgesellschaft e.V.; Stiftung Deutsche Krebshilfe; Berlin, April 2016

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P. Kuhlmann; aktives Mitglied der SHG-S