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Ein zufälliger Befund

Ein Bericht von Stefan J. aus Ostwestfalen

 

Ich bin ebenfalls ein Betroffener ohne Speiseröhre. Im Jahre 2013, etwa 2 Monate vor der OP, hatte ich bei meinem Gastroenterologen als Vorsorgemaßnahme einen Termin zur Darmspiegelung vereinbart und ihn im Vorfeld darum gebeten, den Magen ebenfalls zu spiegeln. Bei der Passage durch die Speiseröhre ist dann im unteren Drittel zufällig eine Wucherung entdeckt worden, die nach der entnommenen Gewebeprobe als Plattenepithelkarzinom diagnostiziert wurde.

 

Für eine endoskopische Entfernung war das Karzinom allerdings schon zu weit fortgeschritten, so dass die OP notwendig wurde, jedoch ohne Chemo- und Strahlentherapie.

 

Zwei Monate nach der Diagnose wurde dann in einem städtischen Krankenhaus die Speiseröhre entfernt mit anschließendem Magenhochzug. Nach der Operation erfolgte für mehrere Tage eine Verlegung auf die Intensivstation aufgrund einer instabilen Lungenfunktion. Außerdem zeigte sich an der Verbindung zwischen dem Rest der Speiseröhre und dem Schlauchmagen eine Undichtigkeit, die zum Glück recht klein war und nach 2 Wochen verschlossen war . Langsam lernte ich wieder, die Laufstrecken auf dem Krankenhausflur kontinuierlich zu verlängern. Die gesamte Verweildauer im Krankenhaus war mit 3 Wochen sicher als überdurchschnittlich anzusehen.

 

Die erfolgte Anschlussheilbehandlung hatte ich mit Verspätung angetreten, weil ich gesundheitlich noch (gar) nicht in der Lage war, die Reha zeitnah nach der Entlassung zu beginnen. Eine zwischenzeitlich aufgetretene Lungenentzündung musste auch erst auskuriert werden.

 

Der vierwöchige Aufenthalt in der Reha-Klinik hat mich konditionell weiter aufgebaut.

 

In der ersten Zeit nach der OP habe ich insgesamt 15 kg an Körpergewicht verloren. Auf diesem Niveau bin ich auch bis heute geblieben. Mein Body-Mass-Index (BMI) ist im mittleren Normbereich und diesen Bereich möchte ich auch gern beibehalten. Beim Essen muss ich dann allerdings am Ball bleiben.

 

Manchmal kann es schon ein wenig nervig sein, die ganzen Empfehlungen bezüglich der Nahrungsaufnahme zu beherzigen.

Dazu gehört: kleinere Portionen essen, Zwischenmahlzeiten einfügen, bestimmte Lebensmittel meiden, keine kohlensäurehaltigen Getränke trinken, nicht gleichzeitig essen und trinken, langsam essen und alles gut durchkauen, nicht zu spät essen und und und ...

 

Hinzu kommt das erhöhte Liegen vor allem in der Nacht, um einen möglichen Reflux zu vermeiden. Dieser Reflux kann richtig unangenehm sein und brennen. In diesem Fall muss ich direkt aufstehen und sofortige Abhilfe schaffen z.B. mit Maaloxan. Die Schleimhaut der Speiseröhre ist anders als die Magenschleimhaut für den Kontakt mit Magensäure nicht geschaffen und sollte so gut wie möglich von Magensäure verschont bleiben. Zum Glück tritt dieser Reflux nur selten auf, da ich mir eine geeignete Lattenrostkonstruktion geschaffen habe, die ein erträgliches Hochliegen ermöglicht mit einem Winkel, der so groß wie nötig und so klein wie möglich ist.

 

Übelkeit ist keine Seltenheit:

Es gibt Tage, da habe ich 2 bis 3 mal am Tag mit Übelkeit zu tun und es gibt andererseits sehr wohl längere beschwerdefreie Phasen. Es kann auch zu Durchfällen, Erschöpfung, Schweißausbrüchen, (Zittern), Schmerzen, Völlegefühl und dabei die Schwierigkeiten durchzuatmen usw. kommen.

 

Die höhere Lage des Magens, die Umgestaltung des Magens zu einem Schlauch und auch die veränderte Muskelbewegung des Magens sind Veränderungen, die zu diesen Beschwerden beitragen.

 

 

Ein 4 Gänge Menü im Restaurant kann halt problematisch werden, es sei denn, es gibt eine Couch, auf der man sich ein halbes Stündchen ausruhen kann.

Ein Phänomen ist, dass ich abends deutlich größere Mengen zu mir nehmen kann als morgens, ohne das mir schlecht wird.

Es kann auch sein, dass in der Familie für 2 Tage gekocht wurde und mein Körper dieses Gericht am ersten Tag einwandfrei toleriert und am nächsten Tag weniger gut oder gar nicht toleriert wird.

Darüber hinaus gibt es Lebensmittel, die ich früher gut vertragen habe und seit der OP nicht mehr vertrage.

 

Die Auswahl der Lebensmittel ist mit einem ständigen Prozess des Ausprobierens verbunden und kann im Laufe der Zeit durchaus zu Änderungen führen.

 

Hinzu kommt, dass mir zwischenzeitlich noch die Gallenblase wegen Überfüllung (mit Steinchen) entfernt wurde. Eine fehlende Gallenblase trägt auch nicht gerade zu einer einwandfreien Verdauung bei.

 

Die Anzahl der benötigten Medikamente hält sich durchaus in Grenzen:

Säurehemmer, Verdauungsenzyme und bei Bedarf ein Mittel gegen Übelkeit oder Durchfall.

 

Mit Unterstützung der Familie, der Kontaktaufnahme und -pflege zu "Leidensgenossen" sowie der Erlangung eines soliden Grundwissens rund um das Krankheitsbild habe ich die veränderte Lebenssituation zur Zufriedenheit bewältigen können.