Mangelernährung / Ernährungstherapie vor und nach der Behandlung / Empfehlungen

 

Ein großer Teil (ca. 60-80%) der Patienten mit Karzinomen der Speiseröhre oder des Magens weisen Mangelernährung auf. Eine schwere Mangelernährung liegt vor, wenn Sie in den letzten 6 Monaten viel Gewicht verloren haben (mehr als 10% Ihres Körpergewichts) oder wenn Sie untergewichtig sind und einen Body-Mass- Index (BMI) von unter 18,5 errechnet haben. Der BMI wird am Ende dieses Beitrags noch genau definiert.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können etwa hervorgerufen sein durch verminderte Nahrungsaufnahme (Schluckproblematik), Appetitlosigkeit, Schleimhautentzündungen nach Chemotherapie bzw. Bestrahlung oder Resorptionsstörungen. Auch die Aufnahme bestimmter Vitamine und Mineralstoffe kann erschwert werden. Hinzu kommt ein gesteigerter Energieverbrauch infolge von Stoffwechselveränderungen.

Wichtig hierbei ist, dass der Ernährungszustand des Patienten vor der Behandlung bestimmt wird: Bei gutem Ernährungszustand hat der Patient eine bessere Ausgangsposition für die Operation und wird im Allgemeinen günstiger auf die Behandlung ansprechen.

Sofern der Body-Mass-Index sehr niedrig ist, sollte der Patient noch vor der Behandlung eine Ernährungstherapie erhalten, selbst wenn sich der Eingriff bzw. die eigentliche Therapie dadurch zeitlich nach hinten verschiebt.

Bei etwa 50% der operierten Patienten mit Mangelernährung ohne vorherige Ernährungstherapie traten nach der OP Komplikationen auf; mit vorheriger  Ernährungstherapie waren es nur etwa halb so viele Patienten.

Es wird derzeit noch laufenden Studien untersucht, ob eine Stärkung des Immunsystems vor der Behandlung für den Patienten wesentliche Vorteile hinsichtlich der Verträglichkeit der Behandlung, den Komplikationen nach der Operation oder dem subjektiven Wohlbefinden bietet.
Durch Aufnahme von bestimmten immunaktiven Substanzen soll eine immunstabilisierende Wirkung erreicht werden. Bisher konnte in kleinen Studienzahlen ein positiver Effekt beobachtet werden.

Das Problem der Mangelernährung sollten Patienten mit Speiseröhren- und Magenkarzinomen immer im Auge behalten. Es ist zwar keine spezifische Ernährung in solchen Fällen nötig, aber die Nahrungsmittel werden unterschiedlich vertragen. Zu beachten ist nach der Operation und dem vollständigen Kostaufbau, dass möglichst viele kleine Mahlzeiten eingenommen werden sollten. Auf die Ausgewogenheit der Nahrung ist hier besonders zu achten.
Patienten, denen der Magen entfernt wurde, müssen lebenslang Vitamin B12 substituiert bekommen, während Patienten mit entfernter Speiseröhre und  Magenhochzug lebenslang einen Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Säurereduktion einnehmen müssen.

Wenn Sie über die natürliche Ernährung nicht genug Kalorien aufnehmen können, bestehen laut Expertenmeinung folgende Möglichkeiten: Die Nahrungsaufnahme kann mit sehr kalorienhaltigen Trinklösungen unterstützt werden. So können Sie bei relativ geringer Zufuhrmenge leicht viele Kalorien aufnehmen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Trinklösungen verordnungsfähig und die Krankenkasse übernimmt somit die Kosten. Desweiteren können Nahrungskonzentrate über eine Bauchdeckensonde direkt in den Darm gegeben werden. 

Wenn nötig, können Sie diese ergänzende Ernährung über die Sonde über mehrere Monate erhalten. Dies ist auch zu Hause möglich. Es können beispielsweise jede Nacht 500 bis 1000 Kilokalorien zugeführt werden. Ein weiterer Gewichtsverlust lässt sich häufig trotzdem nicht vermeiden, kann so aber doch zumindest abgefedert werden.

Für ausführliche Informationen verweisen wir auf die S3-Leitlinie "Klinische Ernährung in der Onkologie": www.awmf.org

 

Worauf Sie nach der OP achten sollten:

Das Leben ohne Speiseröhre verlangt meist ein völlig neues Essverhalten. Das Essen wird nun nicht mehr so sein wie vor der Erkrankung. In den ersten 6 Monaten nach der Operation können Sie davon ausgehen, dass Sie schon unter einem normalen Verlauf etwa 10 - 15% ihres Körpergewichts verlieren werden.

Ziel sollte es sein, ein Wohlfühlgewicht zu erreichen. Auf lange Sicht ist es hilfreich, das normale Essen mit mehreren kleinen Mahlzeiten zu trainieren. Bestimmte Lebensmittel vertragen Sie möglicherweise nicht mehr so gut. Unverträglichkeiten können zu Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen führen. Deshalb ist die Wahl der richtigen Lebensmittel von großer Bedeutung.  Nur mit einer bewusst geplanten Ernährung können Sie Ihrem Körper all die Nährstoffe zuführen, die er braucht.

Wenn Sie zu Hause eine weitere Ernährungsberatung brauchen, finden Sie eine Liste qualifizierter Oecotrophologen und Diätassistenten unter anderem auf den Seiten der Berufsverbände: www.vdoe.de oder www.vdd.de

Spezielle Ernährungsempfehlungen für Patientinnen und Patienten mit Krebs der Speiseröhre gibt es nicht. Ein paar Hilfestellungen und praktische Ernährungstipps geben wir Ihnen in der Broschüre "Patientenleitlinie "Krebs der Speiseröhre". Betroffene haben hier ihre eigenen Erfahrungen für Sie aufbereitet.

Sie sollten Ihr Essverhalten der neuen Situation anpassen. Ein guter Ernährungszustand ist wichtig für Ihr Wohlbefinden. Er kann auch dazu beitragen, dass Sie die Behandlung und deren Folgen gut überstehen. Essen und Trinken werden in Ihrem täglichen Leben zunächst eine große Rolle spielen, denn vieles muss trainiert werden. Da jeder Mensch in Bezug auf die Ernährung anders reagiert, werden auch die Beschwerden, die auftreten können, sehr unterschiedlich empfunden. Einige haben kaum Beschwerden, andere klagen über zum Teil schwerwiegende ernährungsbedingte Komplikationen. Probieren Sie so viel wie möglich aus. Wichtig ist, nicht die Geduld zu verlieren.

  • Nehmen Sie in den ersten Monaten häufige - bis zu zehn - , aber immer nur kleine Mahlzeiten zu sich. Anfangs kann es helfen, die Nahrung zu pürieren.
  • Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich.
  • Essen Sie möglichst nicht zu spät am Abend, da dies zu Reflux mit Sodbrennen und Schlafproblemen führen kann. Hier ist eine erhöhte Schlafposition hilfreich und zwingend notwendig. (Nähere wichtige Erläuterungen zur Schlafposition finden Sie im Beitrag: Gastrointestinale Beschwerden
  • Trinken Sie möglichst nicht zu den Mahlzeiten, sondern etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Essen. Achten Sie bewusst auf eine ausgewogene und gesunde Kost, die viele natürliche Produkte enthält. Nehmen Sie auch ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich.
  • Probieren Sie neue Lebensmittel immer einzeln aus.
  • Beobachten Sie sich selbst: Führen Sie am besten ein Ernährungstagebuch, in dem Sie genau aufschreiben, was Sie essen und trinken und wie Ihnen die Speisen bekommen. Sie können auch Ihr Gewicht in einem Plan dokumentieren. Behalten Sie Ihr Gewicht im Auge, aber stellen Sie sich nicht jeden Tag auf die Waage. Damit setzen Sie sich unnötig unter Druck.

 

Hinweis:

Auch wenn es Ihnen schwer fallen sollte, sich an das veränderte Essen/Essverhalten zu gewöhnen: Versuchen Sie dennoch, die oben genannten Empfehlungen zu berücksichtigen. Dann werden Sie vermutlich besser mit Ihrer neuen Situation zurechtkommen.

Es kommt immer wieder vor, dass Lebensmittel unterschiedlich gut vertragen werden. Es kann auch sein, dass Sie eine Speise an einem Tag gut, an einem anderen Tag schlecht vertragen. Daher sollten Sie ein nicht vertragenes Lebensmittel nach einiger Zeit in einer kleineren Portionierung nochmals versuchen.

Empfehlungen für eine Gewichtszunahme sind nicht einfach zu erteilen, weil die Geschmäcker der Menschen ja nun recht unterschiedlich ausfallen und auch nicht unbedingt den Richtlinien für eine ideale Kalorienzufuhr entsprechen.

Mit der Erhöhung der Fettzufuhr (als Hauptkalorienträger) erzielen Sie bekanntlich mit einer recht kleinen Menge eine hohe Kalorienzufuhr. Des Weiteren ist natürlich auf eine ausreichende Eiweißzufuhr zu achten. Jedenfalls sollten es zahlreiche kleinere Mahlzeiten am Tag sein.

Folgende Maßnahmen/Lebensmittel können sich dabei als sinnvoll erweisen:

 

  • möglichst keine fettreduzierten Light-Produkte auswählen
  • großzügige Verwendung von Brotbelag z.B. Butter, Wurst, Käse (Vollfett-, Rahm-, Doppelrahmstufe), Griebenschmalz etc.
  • (mehr) Sahne an die Sauce/an die Cremesuppe
  • Butter an das Gemüse
  • Kuchen mit Sahne, Torten: z.B. Erdbeer-Mascarpone-Torte, Pudding
  • hochwertiges Öle (Leinöl, Walnussöl, Olivenöl) für Salate, Müsli und anderen Zubereitungen
  • Milchprodukte mit hohem Fettanteil z.B. griechischer Joghurt (10%), Camembert (ca. 60%), Mascarpone (80%)
  • Nüsse/Schokolade/Knabbergebäck
  • Kakao/Malzbier/Milchshakes usw.
  • Fleisch/Eier/Wurst/Käse als gute Eiweißquellen

 

Tipp:

Sofern sich Fettstühle einstellen sollten, empfiehlt sich die Einnahme von Pankreasenzymen zur besseren Spaltung/Verwertung der Nahrungsbestandteile. An anderer Stelle wird nochmals auf das Thema Fettstühle und die Einnahme von Verdauungsenzymen eingegangen. Zahlreiche Patienten berichten über positive Erfahrungen bei der Einnahme von Verdauungsenzymen: Zum einen lassen sich weiche Stühle reduzieren und andererseits ist eine gewollte Erhöhung des Körpergewichtes möglich.

 

(Quellen)

Barbara Kade; aktives Mitglied der SHG-S; Auszug aus der Patientenleitlinie "Krebs der Speiseröhre": Herausgeber: AG der wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.; Deutsche Krebsgesellschaft e.V.; Stiftung Deutsche Krebshilfe; Berlin; April 2016

Peter Kuhlmann; aktives Mitglied der SHG-S, Diplom-Oecotrophologe

Karin Barwich; Diplom-Oecotrophologin; GRVS-Schriftenreihe Band 4; Speiseröhre - Magen - Bauchspeicheldrüse; Wie leben nach der Operation ?

 

Die Differenzierung zwischen geeigneten, weniger und nicht geeigneten Lebensmitteln gestaltet sich im täglichen Leben für Patienten mit entfernter Speiseröhre und Magenhochzug nicht einfach. Durch den Eingriff hat sich auch die Anatomie und Peristaltik des Magens verändert. (Anatomie = Gestalt und Lage; Peristaltik = Muskeltätigkeit eines Hohlorgans z.B. Magen)

Es kann sein, dass Sie eine Currywurst mit Pommes Frites und Mayonnaise/Ketchup heute gut vertragen und sich morgen nach dem Verzehr des gleichen Gerichts eine Übelkeit oder Durchfall einstellt. Ebenfalls möglich ist es, dass schon 1 knackiges Brötchen zum Frühstück zur Übelkeit führt, jedoch zum Abendessen 2 (weniger) knackige Brötchen bestens vertragen werden. Es gibt auch Betroffene, die morgens nur kleine Mengen vertragen und zum Abend hin deutliche größere Portionen bewältigen können. Unter dem Strich gibt es jedoch Speisen und Getränke, die von den Betroffenen überwiegend als problematisch eingestuft werden. Dazu gehören beispielsweise

 

 

  • frisches Weißbrot, Toastbrot, frische Brötchen, Croissants
  • sehr fettige Fisch- und Fleischgerichte (mit Saucen)
  • stark gewürzte und saure Lebensmittel, Senf, Essig, Mayonnaise
  • Kuchen/Teilchen mit Mürbeteig,Hefeteig oder Blätterteig; Kekse; Mohnkuchen
  • Sahnetorten
  • Weine mit hohem Säuregehalt, vor allem Weißwein
  • Getränke (Softdrinks, Bier, Sekt) mit Kohlensäure
  • Gerichte mit Geschmacksverstärkern (Glutamat) aus der asiatischen Küche
  • Bratkartoffeln; Lasagne; Hackfleischsauce; Sauce hollandaise
  • Pralinen und Schokolade mit Marzipan und Nougat
  • zu viel und zu starker Kaffee, Latte macchiato oder ähnliche Kaffeespezialitäten
  • blähendes Gemüse
  • Kernobst; Mohn, Nüsse, Mandeln (in erster Linie bei Patienten mit Magenentfernung)

 

Natürlich ist auch hier wieder die Aussage von Paracelsus aus dem 15. Jahrhundert anzuwenden:

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.

Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist"

 

Wichtig ist neben der Wahl des Lebensmittels auf jeden Fall, dass man mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nimmt, die Speisen nicht zu heiß sowie langsam und gut durchgekaut isst. Desweiteren sollte man mit den Portionsgrößen nicht zu nah ans Limit gehen. Manchmal ist eben nur ein Kinder- oder Seniorenteller möglich. 4-Gang Menüs sollten, sofern überhaupt möglich, nicht in Rekordzeit serviert werden. Damit lassen sich die Beschwerden nach dem Essen auf ein einigermaßen überschaubares und erträgliches Minimum reduzieren.

 

P. Kuhlmann; aktives Mitglied SHG-S

 

 

Der Body-Mass-Index (BMI)

ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts in Relation zur Körpergröße.

Berechnet wird der BMI mit folgender Formel:

 

 

                        Körpergewicht (kg)

BMI       =         ----------------------------------------------

                        Körpergröße (m) x Körpergröße (m)

 

Ergebnisse:

starkes Untergewicht unter 16

mäßiges Untergewicht 16 - 17

leichtes Untergewicht 17 - 18,5

Normalgewicht 18,5 - 25

Übergewicht 25 - 30

Adipositas Grad I 30 - 35

Adipositas Grad II 35 - 40

Adipositas Grad III über 40

 

Der BMI ist allerdings ein relativ grober Richtwert für die Interpretation, da Alter, Geschlecht und auch die individuelle Körpermasse (Fett- und Muskelgewebe) keine Berücksichtigung finden.

Bei normalgewichtigen Männern beispielsweise ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung die Untergrenze eher bei 20 anzusetzen, bei normalgewichtigen Frauen hingegen ist die Obergrenze eher bei 24 anzusehen.

 

 

 

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